Die Sakramente
Die Krankensalbung: das Sakrament der Kranken
Die Krankensalbung, früher »letzte Ölung« genannt, ist das Sakrament der schwer Kranken und Sterbenden: Salbung mit heiligem Öl und Gebet, das die Sünden nachlässt, die Seele stärkt und mitunter die Gesundheit wiederschenkt.

Wenn ein Mensch schwer erkrankt oder dem Tode nahe kommt, verlässt ihn die Kirche nicht. Sie tritt an sein Lager mit einem eigenen Sakrament: der Krankensalbung, die in der Überlieferung letzte Ölung heißt. Der Priester salbt den Kranken mit geweihtem Öl und betet über ihn — und durch dieses Zeichen schenkt Gott Nachlass der Sünden, Stärkung der Seele im Leiden und zuweilen auch die leibliche Gesundheit zurück.
Was ist die Krankensalbung? Bedeutung und Sakrament
Die Krankensalbung ist eines der sieben Sakramente der Kirche. Ihr sichtbares Zeichen ist die Salbung mit dem heiligen Krankenöl (dem Oleum infirmorum, das der Bischof am Gründonnerstag weiht) unter dem Gebet des Priesters. Ihre Bedeutung hat der heilige Apostel Jakobus für alle Zeiten festgehalten:
Ist jemand unter euch krank, so rufe er die Priester der Kirche, und sie sollen über ihn beten, indem sie ihn mit Öl salben im Namen des Herrn; so wird das Gebet des Glaubens dem Kranken zum Heile sein, und der Herr wird ihn aufrichten; und wenn er in Sünden ist, werden sie ihm nachgelassen werden. (Jakobus 5, 14–15)
Schon der Herr selbst hatte seine Jünger ausgesandt, und wie der heilige Markus berichtet, »salbten sie viele Kranke mit Öl, und heilten sie« (Markus 6, 13). Aus dieser Wurzel wächst das Sakrament der Krankensalbung. Der Catechismus Romanus (Katechismus von Trient) zählt seine Wirkungen auf: es tilgt die Sünden und deren Reste, es richtet die Seele auf und stärkt sie gegen die Anfechtungen des bösen Feindes in der letzten Stunde, und es gibt — wenn es der Seele zuträglich ist — auch dem Leibe die Gesundheit wieder.
Warum »letzte Ölung«? Der überlieferte Name
Viele suchen nach der letzten Ölung — und meinen dasselbe Sakrament. Der Name »letzte Ölung« (im alten Sprachgebrauch auch schlicht Ölung) betont, dass es sich um die letzte der heiligen Salbungen im Leben eines Christen handelt, nach der Salbung in der Taufe und in der Firmung. Traditionell wird die letzte Ölung dem schwer Kranken gespendet, bei dem Todesgefahr besteht — sei es durch Krankheit, hohes Alter oder eine bevorstehende gefährliche Operation. Es ist also kein »Zauber gegen den Tod«, sondern die liebevolle Rüstung der Seele für das, was kommt.
Der Ablauf der Krankensalbung
Der Ablauf ist einfach und ehrwürdig. Ist es möglich, geht der Salbung die heilige Beichte voraus, damit die Seele rein sei. Dann:
- Der Priester besprengt Kranken und Zimmer mit Weihwasser und betet die einleitenden Gebete um Frieden für dieses Haus.
- Er salbt mit dem heiligen Öl in Kreuzesform die fünf Sinne — Augen, Ohren, Nase, Mund und Hände (früher auch die Füße) —, weil durch die Sinne die Sünde in die Seele eintritt.
- Bei jeder Salbung spricht er die überlieferte Formel:
Durch diese heilige Salbung und seine allergütigste Barmherzigkeit verzeihe dir der Herr, was du gesündigt hast durch das Gesicht (das Gehör, den Geruch, den Geschmack, die Berührung).
Danach folgen weitere Gebete für den Kranken. Wo ein Priester im Sterbefall nicht mehr salben kann, gilt seit jeher: das aufrichtige Verlangen des Gläubigen und sein Vertrauen auf Gottes Barmherzigkeit werden vom Herrn nicht verschmäht.
Die Sterbesakramente: Beichte, Wegzehrung und Salbung
Die Krankensalbung steht selten allein. Zusammen bilden drei Gnadengaben die Sterbesakramente, mit denen die Kirche ihre Kinder zur Ewigkeit geleitet:
- Die heilige Beichte — die Versöhnung der Seele mit Gott durch Reue und Lossprechung.
- Die Wegzehrung (lateinisch Viaticum) — die heilige Kommunion des Sterbenden.
- Die Krankensalbung — die letzte Ölung selbst.
Was bedeutet Wegzehrung? Das Wort ist die deutsche Übersetzung von Viaticum, der »Zehrung für den Weg«: so wie ein Wanderer Brot für die Reise mitnimmt, empfängt der Sterbende den Leib des Herrn in der Eucharistie als Speise für den letzten Weg zu Gott. Sie ist die eigentliche und wichtigste unter den Sterbesakramenten. Für die Verstorbenen selbst betet die Kirche dann weiter — am Gedenktag Allerseelen und mit eigenen Gebeten für die Verstorbenen, die wir zusammengestellt haben.
Wann und wie oft empfängt man die Krankensalbung?
Wann? Bei ernster, mit Todesgefahr verbundener Krankheit, im hohen Alter, wenn die Kräfte schwinden, oder vor einer schweren Operation. Man soll nicht bis zum letzten Atemzug warten: gerade der bei Bewusstsein empfangene Trost dieses Sakramentes ist eine große Gnade.
Wie oft? So oft eine neue schwere Krankheit eintritt oder sich ein Zustand nach zwischenzeitlicher Besserung ernstlich verschlimmert. Innerhalb ein und derselben Erkrankung wird sie in der Regel einmal gespendet.
Wer spendet die Krankensalbung?
Spender ist allein der geweihte Priester (oder Bischof) — kraft der Priesterweihe, die ihn zum Verwalter der Sakramente macht. Ein Diakon oder Laie kann die Salbung nicht spenden. Wohl aber kann und soll jeder gläubige Christ am Krankenbett mitbeten, etwa das Vaterunser und Gebete zum heiligsten Herzen Jesu um Erbarmen. Wer für einen Kranken Fürsprache halten will, findet in unseren Gebeten für Kranke Worte des Trostes.
Das Symbol: welches Öl?
Das Symbol der Krankensalbung ist das Öl — Sinnbild der Heilung, der Stärkung und der Salbung des ganzen Menschen. Verwendet wird eigens geweihtes Krankenöl aus Oliven, das der Bischof in der Chrisammesse des Gründonnerstags segnet. Das Öl dringt in die Glieder ein und lindert; so soll die Gnade des Sakramentes in die Seele eindringen und sie im Leiden stärken.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Krankensalbung und letzter Ölung?
Es ist dasselbe Sakrament. »Letzte Ölung« ist der überlieferte Name, der die Salbung als die letzte im Leben des Christen bezeichnet; »Krankensalbung« benennt den Empfänger — den Kranken.
Was kostet die Krankensalbung?
Nichts. Die Sakramente werden niemals verkauft; sie sind reine Gnadengabe Gottes. Für die Spendung der letzten Ölung dürfen keine »Kosten« verlangt werden.
Kann die letzte Ölung nach dem Tod gespendet werden?
Nein, das Sakrament setzt einen Lebenden voraus. Ist der Tod nicht sicher eingetreten, spendet der Priester sie bedingungsweise. Für den bereits Verstorbenen betet die Kirche das Totengebet.
Gibt es die Krankensalbung auch evangelisch?
Die evangelischen Kirchen kennen kein Sakrament der Krankensalbung; sie zählen nur Taufe und Abendmahl zu den Sakramenten. Die Salbung Kranker als Sakrament ist katholisch (und in der Ostkirche) überliefert.
Wie lautet das Kreuzworträtsel-Wort für Krankensalbung?
Das gesuchte Wort mit sechs Buchstaben ist meist OELUNG (Ölung), der alte Name des Sakramentes.
Was bedeutet »Wegzehrung« und wie heißt sie im Rätsel?
Im weltlichen Sinn ist die Wegzehrung der Proviant, die Verpflegung für eine Reise oder Wanderung — ein Synonym für Zehrung und Reiseproviant. Kirchlich meint sie die heilige Kommunion des Sterbenden. Das im Kreuzworträtsel gesuchte Wort mit acht Buchstaben lautet VIATIKUM, die lateinische Bezeichnung für dieselbe Wegzehrung.
In der App Iter Fidei finden Sie die überlieferten Sterbegebete, die Krankengebete und das Vaterunser für das Krankenbett — ehrfürchtig und im Ritus von 1962. Hier herunterladen.
Quellen. Allioli-Bibel (Jakobus 5, 13–16; Markus 6, 13); Catechismus Romanus (Katechismus des Konzils von Trient), Über das Sakrament der letzten Ölung; Rituale Romanum, Ordo unctionis infirmorum; Katechismus des hl. Pius X.