Das Gebet
Gebet für Verstorbene und Sterbende
Traditionelle katholische Gebete für Verstorbene und Sterbende: das Requiem aeternam, Gebete für eine verstorbene Mutter, einen verstorbenen Vater und für die Armen Seelen im Fegefeuer.

Wenn ein geliebter Mensch stirbt, verstummen die Worte. Und doch dürfen wir gerade dann nicht schweigen, denn unsere Liebe hört mit dem Tod nicht auf, sondern wird zum Gebet. Für die katholische Kirche ist das Gebet für die Verstorbenen kein bloßer Trost für uns Zurückgebliebene, sondern ein Werk der Barmherzigkeit, das den Seelen wirklich hilft. Hier finden wir schöne, überlieferte Gebete für die Verstorbenen und für die Sterbenden — zuerst das große Gebet der Kirche, dann Gebete für eine verstorbene Mutter, einen verstorbenen Vater und für die Armen Seelen im Fegefeuer.
Das kurze Gebet der Kirche: Requiem aeternam
Das älteste und kürzeste Gebet für die Verstorbenen ist zugleich das kostbarste. Seit Jahrhunderten spricht die Kirche über jedem Grab und in jeder heiligen Messe für die Toten diese Worte — es ist das Gebet vom ewigen Licht, das wir für die Seele erbitten:
Herr, gib ihm die ewige Ruhe,
und das ewige Licht leuchte ihm.
Er ruhe in Frieden. Amen.
Für eine Frau beten wir „gib ihr die ewige Ruhe", für viele Verstorbene „gib ihnen die ewige Ruhe". Dieses kurze Gebet können wir zu jeder Stunde sprechen: am Grab, beim Anzünden einer Kerze, wenn wir an einem Friedhof vorübergehen oder wenn uns nachts der Name eines Verstorbenen in den Sinn kommt. Es ist das schönste kurze Gebet für Verstorbene, weil es alles enthält, was wir erbitten können — Ruhe, Licht und Frieden bei Gott.
Diese Bitte gründet nicht auf einem frommen Wunsch, sondern auf dem Wort des Herrn selbst. Der heilige Johannes hörte im Himmel eine Stimme, die uns über alle Trauer hinauströstet:
Selig sind die Toten, die im Herrn sterben! ... sie sollen ausruhen von ihren Mühen; denn ihre Werke folgen ihnen nach. (Offenbarung 14,13)
Gebet für einen Sterbenden
Solange ein Mensch noch atmet, ist die kostbarste Zeit gekommen, ihn im Gebet zu begleiten. Ein Sterbender braucht keine langen Reden, sondern die stille, vertrauensvolle Nähe dessen, der für ihn betet. Dieses Segensgebet für Sterbende dürfen wir leise am Krankenbett sprechen, für einen sterbenden Angehörigen, für die Mutter, den Vater oder jeden sterbenden Menschen:
Christ, Sohn des lebendigen Gottes, erbarme Dich Deines Dieners N.
Nimm seine Seele auf in den Frieden Deines Reiches.
Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für ihn jetzt und in der Stunde seines Todes.
Alle heiligen Engel und Erzengel, führet seine Seele hinauf vor das Angesicht Gottes.
Der Herr sei sein Hirt, so wird ihm nichts mangeln. Amen.
Trösten dürfen wir den Sterbenden mit den Worten des Psalmisten, die dem Tod jede Bitterkeit nehmen:
Der Herr ist mein Hirt, mir wird nichts mangeln. ... Denn ob ich auch mitten durch Todesschatten wandelte, fürchte ich doch kein Unglück; bist du doch bei mir. (Psalm 22 (23))
Ein Sterbender, der noch bei Bewusstsein ist, sollte die heiligen Sterbesakramente empfangen — die Beichte, die heilige Wegzehrung und die Letzte Ölung. Wer einen Kranken begleitet, findet in unserem Gebet für Kranke weitere überlieferte Worte für die schwere Zeit.
Schönes Gebet für eine verstorbene Mutter oder einen verstorbenen Vater
Kein Verlust trifft uns so tief wie der Tod der Eltern. Für unsere verstorbene Mutter und für unseren verstorbenen Vater schulden wir das treueste Gebet, denn sie haben uns das Leben und den Glauben geschenkt. Dieses schöne Gebet für die verstorbene Mutter oder den verstorbenen Vater dürfen wir am Grab und im täglichen Andenken sprechen:
Barmherziger Gott, Du hast mir in meinem Vater (meiner Mutter) einen Menschen gegeben, der mich geliebt und für mich gebetet hat. Vergilt ihm alles Gute und lass ihn die Frucht seiner Mühen schauen. Verzeihe ihm, was er gefehlt hat, und führe ihn in die ewige Ruhe. Das ewige Licht leuchte ihm, und lass mich ihn einst bei Dir wiedersehen. Durch Christus, unseren Herrn. Amen.
Dass unsere Toten in Gottes Hand geborgen sind, verheißt uns die Heilige Schrift mit tröstlichen Worten, die sich für jede Trauerkarte und jedes stille Gedenken eignen:
Aber die Seelen der Gerechten sind in der Hand Gottes, und nicht berührt sie des Todes Pein. ... sie aber sind im Frieden. (Weisheit 3,1.3)
Wer ein Wort für die Beerdigung sucht, findet in unseren Fürbitten zur Beerdigung und unter den christlichen Trauersprüchen weitere passende Texte; eine Auswahl tröstender Schriftworte bietet der Beitrag über Bibelverse zu Trost und Trauer.
Gebet für die Verstorbenen und die Armen Seelen im Fegefeuer
Die Kirche lehrt seit jeher, dass viele Verstorbene noch der Läuterung im Fegefeuer bedürfen, ehe sie Gott von Angesicht schauen. Diesen Armen Seelen können wir wirklich helfen — durch Gebet, Ablässe, Almosen und vor allem durch das heilige Messopfer, das die Kirche besonders am Allerseelentag für sie darbringt. Schon im Alten Bund heißt es:
Es ist also ein heiliger und heilsamer Gedanke, für die Verstorbenen zu beten, damit sie von ihren Sünden befreit werden. (2 Machabäer 12,46)
Das große Bittgebet der Kirche für die Verstorbenen ist der Psalm De profundis — „Aus der Tiefe" —, den wir für einen einzelnen Toten oder für alle Verstorbenen beten:
Aus der Tiefe rufe ich zu Dir, o Herr; Herr, höre meine Stimme. ... Denn beim Herrn ist die Barmherzigkeit, und reichlich ist bei Ihm die Erlösung. ... Herr, gib ihnen die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihnen. (Psalm 129 (130))
Für die Armen Seelen kennt die Überlieferung eine eigene Litanei, die mit dem alten Schlussgebet endet:
O Gott, Schöpfer und Erlöser aller Gläubigen, verleihe den Seelen Deiner Diener und Dienerinnen die Nachlassung aller Sünden, damit sie durch fromme Fürbitten die Verzeihung erlangen, die sie stets ersehnt haben. Der Du lebst und herrschest in alle Ewigkeit. Amen.
Wer regelmäßig für die Verstorbenen beten möchte, kann diese Bitte in das Abendgebet aufnehmen oder sie unter die eigenen Gebetsanliegen stellen. Die vollständigen liturgischen Texte des Requiems finden sich im überlieferten Divinum Officium.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das schönste Gebet für Verstorbene?
Das schönste und zugleich kürzeste Gebet ist das Requiem aeternam: „Herr, gib ihm die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihm. Er ruhe in Frieden. Amen." Es enthält alles, was wir für einen Verstorbenen erbitten dürfen, und lässt sich jederzeit sprechen.
Wie bete ich für einen Sterbenden?
Bleiben Sie ruhig am Bett des Sterbenden, sprechen Sie leise sein und erbitten Sie den Beistand Mariens und der Engel „in der Stunde seines Todes". Wichtiger als viele Worte ist das vertrauensvolle Da-Sein und, wo möglich, der Empfang der heiligen Sterbesakramente.
Gibt es einen Unterschied zwischen katholisch und evangelisch?
Ja. Das katholische Gebet für Verstorbene bittet ausdrücklich um Läuterung und Verzeihung im Fegefeuer, weil die Kirche lehrt, dass wir den Seelen wirklich helfen können. Das evangelische Gedenken kennt diese Fürbitte für die Toten in der Regel nicht, sondern spricht eher dem Trauernden Trost zu.
Darf man für einen verstorbenen Hund beten?
Wir danken Gott gern für die Freude, die ein Tier uns geschenkt hat, und dürfen ihm unseren Kummer anvertrauen. Doch das eigentliche Fürbittgebet für Verstorbene gilt den unsterblichen Menschenseelen; Tiere haben keine solche Seele, darum beten wir nicht in gleicher Weise für sie.
Warum beten wir für die Armen Seelen?
Weil viele Verstorbene noch der Läuterung bedürfen, ehe sie Gott schauen. Schon die Heilige Schrift nennt es „heilig und heilsam, für die Verstorbenen zu beten" (2 Machabäer 12,46). Unser Gebet, unsere Opfer und das heilige Messopfer verkürzen ihre Läuterung.
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Quellen. Allioli-Bibel (Offenbarung 14,13; Psalm 22 (23); Weisheit 3; 2 Machabäer 12,46; Psalm 129 (130)); Requiem aeternam und Introitus der Totenmesse; De profundis; Litanei für die Armen Seelen im Fegefeuer (überlieferte Form vor 1958).